in jedem Jahr gibt es unzählige Spieler, die diese Stadt und damit unseren geliebten Kick-Betrieb verlassen. Die meisten davon werden bei ihrem Abschied bestenfalls von den eigenen Mitspielern bedacht. Und auch nur diese sind es meist, die sich anschließend noch an die Gegangenen erinnern. Die wenigen die es schaffen, über die eigenen Mannschaftsgrenzen hinaus Spuren zu hinterlassen, haben entweder fußballerisch großes geleistet oder sich persönlich in besonderer Weise hervor getan oder aber beides. Jetzt geht einer, über dessen Karriereende ein Großteil aller Buntligisten trauern dürfte und der völlig zu recht mit einem Abschiedsturnier gewürdigt wird. Ihr wisst natürlich längst von wem ich rede, doch kannte man diesen besonderen Spieler schon unter vielen Namen: „10“, „Matthieu d’Rense“, „Maddes van Resning“, „Maddööööööös“, „Kuschlmaddes“ oder jetzt neuerdings auch „Madd♥s und die Maddesi Boys ode wat?“. Letzten Endes weiß jeder wer gemeint ist, wenn ich einfach von Maddes rede! Aufgrund unserer völlig verkorksten Hochschulpolitik wird dieser nun leider nicht Dekan am FB 03, sondern zieht gen Südwesten.
Zu diesem traurigen Anlass sei es mir gestattet, einige Persönliche Zeilen loszuwerden und auch, trotz Spamgefahr, einen eigenen Thread zu eröffnen.
Bewusst erlebte ich Maddes erstmalig bei einem gewissen Hallenfußball-Termin in unserer geliebten JÄGERKASERNE, wo er mit einer kleinen Delegation des BuLi-Dinos SPORTING SPARFLAMME auftauchte. Es muss irgendwann Anfang des Jahres 2007 gewesen sein. Weder wusste ich damals, dass der sympathische Knabe im St. Pauli-Shirt mich längst kannte, noch dass er unter der Ägide meines Vormieters, auch bekannt als Da Silva, zu den Gründungsmitgliedern gehörte und mit den Sparflammen in Urzeiten einst Bunte Liga-Halbfinalist war. Jedenfalls verstand man sich auf Anhieb gut. Ich kann nicht genau datieren, wann aus der rein sportlichen Verbindung eine übersportliche, persönliche und freundschaftliche Verbindung wurde, doch darf ich heute nicht ohne Stolz sagen, dass eine solche besteht.
2008 in eben jener Hallenkick-Runde wurde Uns-Maddes das Opfer der brutalsten Szene, die ich in meiner Hobbykicker-Karriere mit ansehen musste. Ein viel zu übermotivierter Stürmer trat ihm trotz Torwarthandschuh einen Zeigefinger aus dem Gelenk, so dass dieser völlig quer stand. Allen Anwesenden rutsche damals das Herz in die Hose und die meisten wähnten diese vielversprechende Torwartlaufbahn bereits am Ende. Einige Wochen später traf ich den wieder halbwegs genesenen Schnapper zufällig an gleichem Ort, diesmal allerdings beim Public Viewing, und ich fragte vorsichtig, ob er wieder als Torwart agiere, denn das Kosmonautenbureau suchte für sein Basil-Cup-Achtelfinale gegen Rammelow United dringend einen Ersatz für den verletzten Schlussmann. Maddes zeigte mir seine immer noch etwas krumme Pranke und sagte, er wolle ungern so früh wieder etwas riskieren, werde aber vorbei kommen und wenn wir wirklich niemanden finden würden, könnten wir nochmal sehen. Er kreuzte tatsächlich beim Spiel auf. Es kam jedoch nur zu einem kurzen Feldeinsatz, denn bei unserer 1:3 Niederlage stand Otto von PARTIZAN OBERSTADT im Kosmo-Tor.
Gutes Stichwort: Seinen größten sportlichen Erfolg erlebte der Maddesiboy in der darauf folgenden Saison mit der Ballsportguerilla und dem Gewinn des Basilcups. Als Stammtorwart hatte Maddes auf- und neben dem Platz erhebliche Mitschuld daran, dass Partizan in dieser Spielzeit wohl zu DER Bunte-Liga-Mannschaft schlechthin avancierte. Die erste Runde dieses Basilcup-Turniers stellte auch unser bislang einziges Aufeinandertreffen dar. Gegen aufblühende Partizanen hatten ersatzgeschwächte Kosmoboys seinerzeit keine Chance und verloren mit 3:6. Immerhin konnte ich mit dem Abpfiff noch einen Assist verbuchen, als ich alleine vor Maddes auftauchte und den Ball auf Volker Racho quer legte.
Die Ferienstaffel des gleichen Jahres zeigte dann doch noch Maddesis ersten Auftritt im Tor der Kosmonauten. Bei einem legendären 5:5 gegen die BSG Fersen half er uns selbstlos und hatte mit seinen Paraden Anteil an unserem Punktgewinn. Nun schicken wir alle uns an, mit dem Abschiedsturnier das letzte große Kapitel dieser außerordentlichen BuLi-Karriere zu schreiben. Ich hoffe es wird ein würdiges fest.
Doch was ist es eigentlich, das Maddes so besonders und eine bisher nie dagewesen Abschiedszeremonie so erforderlich macht? In einem Spielbericht nannte ich ihn, wie auch den bereits verzogenen Merlin, am 01.06.2010 „die wahre Ikone der Bunten Liga“ und ich will versuchen, zu erklären was ich damit meine.
Maddes ist fußball- und BuLi-süchtig und im positivsten Sinne wahnsinnig. Jede Zelle seines Körpers lebt und atmet den BuLi-Spirit, doch trotzdem oder vielleicht grade deshalb vergisst er niemals was das ganze eigentlich und letztendlich ist: Ein riesengroßer Spaß. Die Fairness steht bei ihm trotz aller Besessenheit im Vordergrund und das lässt sich bei Maddes auf beiden der großen Bunte Liga-Ebenen beobachten, nämlich auf dem Spielfeld wie auch im Forum.
Spielfeld: Ein Teamkamerad schrieb kürzlich über Tausendsassa Maddes, er habe „vermutlich schon jedes zweite Bunte Liga-Tor gehütet“. In der Tat dürfte er sogar die Teamliste des ewigen Tomislav ausstechen, wenn man jeden Einsatz mitzählt. Maddes hat teilweise richtiggehend auf dem Afföller gewohnt. Auch auf BuLi-fremden Fußballplätzen ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen. Er gehört meiner Meinung nach zu den besten Keepern die wir in der Liga haben und wer mit ihm in der Halle mal die Klingen gekreuzt hat, der weiß, dass er auch ein sehr fähiger Feldspieler ist. Wenn er nicht selber zockt, dann tummelt er sich leidenschaftlich gerne am Spielfeldrand. Der Titel „größter Kiebitz der Bunten Liga“ dürfte ebenfalls an ihn gehen. Jedoch schlägt Maddes Leidenschaft für diesen Sport niemals in übertriebenen Ehrgeiz um. Maddes kann zur waghalsigsten Grätsche überhaupt ansetzten, doch als Gegenspieler weiß man: Entweder hat er den Ball oder ich bin vorbei. Doch niemals würde er mit seinem Einsteigen jemanden verletzten. Die Kombination aus totalem Einsatz und totaler Fairness macht ihn sowohl zu einem der angenehmsten Gegen- als auch Mitspieler.
Forum: Auf der virtuellen Spielwiese zeigt Maddes dieselbe Integrität wie auf der sportlichen. Mit über 4000 Beiträgen steht er auf der „Labertaschen“-Liste auf Platz drei, lediglich hinter den zwei Bunte-Liga-Chefs. Maddes Schreibstil und sein Wortwitz haben sämtlichen BuLi-Nerds schon viele unterhaltsame Momente beschert. Ich erinnere etwa an seine Liveticker, an seine Forumsbattles mit den ASP-Veteranen oder an seine legendäre Hommage für den Original Rude Boy. Doch auch im Internet vergisst Maddes nie die Formen des guten Umgangs. Nie würde ihm einfallen, das BuLi-Geschehen auf eine ideologische, politische oder gar persönliche Ebene fehl zu leiten. Jeglichen Diss, Flame oder Bash sucht man bei Maddes vergeblich. So war es keine Überraschung, dass er wie von selbst zum Chefdiplomaten des neu gegründeten Ligaausschusses wurde. Diskussionen über Gastspieler, verschobene Partien, etc pp? Maddes war stets mit Besonnenheit zur Stelle. Wäre die Bunte Liga das Mittelalter, dann wäre Maddes einer der ersten Renaissance-Menschen.
Doch bedeutet dies nicht, dass er ein Ja-Sager wäre oder Everybody’s Darling-Ambitionen hegte. Maddes artikuliert stets auch deutlich, wenn ihm Spieler, Teams oder gar ganze Turniere gegen den Strich gehen. Ich denke, auch das ist der Grund, warum ihn vielleicht nicht jeder mag aber ganz bestimmt jeder respektiert. Um mal eine Floskel zu bemühen: Authentizität kommt an.
Lieber Maddes,
Ich bin nicht alleine, wenn ich sage: Ohne dich wird die Bunte Liga Marburg nie mehr dieselbe sein. Du bist für mich nicht nur - doch grade diesen ersten Teilsatz hab ich mir reichlich überlegt - mein absoluter Lieblings-Zock-Partner überhaupt, sondern auch menschlich ein Vorbild. Und um dem Pathos die Krone aufzusetzen: Wenn ich später an meine Studentenzeit zurück denken werde, dann wird der fliegende Maddes immer eines der ersten Bilder sein, die mir in den Sinn kommen. Ich hoffe inständig, dass du dem Hobbyfußball stets erhalten bleibst und in deiner neuen Heimat glücklich sein wirst. Vergiss nicht: Es gibt nichts schlimmeres als Stillstand, doch das wichtige bleibt.
Auf dass dein Abschiedsturnier ganz nach deinem Sinne verlaufen wird! Rob Friend reckt dir die Teufelshörner entgegen.
















